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Spieler oder Kritiker – Wer hat den Totalschaden?

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Die lebhafte Debatte um die Gefahren, die aus dem Elektro-Sammelsurium der deutschen Kinderzimmer herrühren, will nicht abebben. Hat sich im Dezember 2004 das ZDF-Politmagazin Frontal 21 zweimal in eher boulevardesker Form gegen das Shooter-Genre gestellt und einen immensen Widerhall gefunden, sollen nun Rennspiele wie Need for Speed: Underground 2 und Burnout 3 Takedown ins Fegefeuer.
 
Meine Freundin, Korrelation
Auslöser sind jüngst veröffentlichte Ergebnisse einer Befragung, die Psychologen vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) an über 650 Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren durchgeführt haben. Zwar betonen die Verfasser der Studie selbst, dass aus den Zahlen keine gesicherten Erkenntnisse gezogen werden können. Gleichwohl wird von den sonst mit Kraftfahrzeug-Schadensursachen befassten Wissenschaftlern undifferenziert daraus abgeleitet, dass Spielerinnen und Spieler von Rennspielen eine Gefahr für die Ordnung und Sicherheit im Straßenverkehr darstellen. So habe die überwiegende Anzahl der Befragten geäußert, dass sie die spektakulären Geschwindigkeiten und Crashs der betreffenden Titel faszinieren. Es gebe erste Hinweise, dass Jugendliche, die intensiv das virtuelle Reifengummi quälen, sich im Straßenverkehr auch eher unangepasst verhalten, verlautbarte Projektleiter Jörg Kubitzki gegenüber dem Internet-Nachrichtenmagazin Spiegel online. Ob es sich hier möglicherweise um einen Scheinzusammenhang („Frauen sind kleiner als Männer, Frauen verdienen weniger als Männer. Ergo: Je kleiner die befragte Person, desto geringer ihr Verdienst.“) handelt, wird nicht hinterfragt. Ob für das „unangepasste Verhalten“ nicht auch andere Gründe in Betracht kommen demnach ebenso wenig. An dieser Stelle sei gemutmaßt, dass auf diese Art auch eine Verbindung zwischen Haarfarbe und Verhalten im Straßenverkehr konstruiert werden kann. Auch müsste man Fernsehsendungen wie „Cobra 11“ oder die „The Fast And The Furious“-Reihe, bei denen es auch um die möglichst spaßige Darstellung von Karambolagen geht, getrost aus dem Äther verbannen. Wir verschweigen an dieser Stelle auch nicht die Mattel-Hot-Wheels- und Matchbox-Armada, die seit Generationen die Kinderzimmer in Beschlag nimmt und den germanischen Nachwuchs vom Geschwindigkeitsrausch träumen lassen.

Gute Spiele, schlechte Spiele
Den AZT-Mutmaßungen widersprachen nicht zuletzt deswegen auch umgehend andere Psychologen und Erziehungswissenschaftler. Es gehe auch hier im Grunde nur um die Hausfrauen-These, die auch schon Prügelspiele und Shooter auf die Anklagebank brachten: Spieler, gerade heranwachsende, können zwischen Spiel und Realität nicht unterscheiden. Insofern kann es auch dahinstehen, in welchem Fach des Spieleregals man kramt und ob es sich um vermeintlich positive - Sportspiele jeglicher Art, Denkaufgaben, Aufbausimulationen usw. - oder negative Games - Shooter, Rennspiele, Prügelspiele - handelt.
 Autor:
André Stephan
Editorials
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