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Spieler oder Kritiker – Wer hat den Totalschaden?

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Die Angst offenbar traditionell orientierter Deutscher, dass jemand, der sich stundenlang vor dem Bildschirm hinter ein Wheel klemmt, nicht ganz richtig tickt und jederzeit auch den Vordermann auf der Autobahn mit ins Grab nehmen würde, ist latent. Oder eben, dass ein eben noch Prince of Persia: Warrior Within spielender Abiturient mal eben den mit einem ersteigerten Säbel den Schulhof rasiert. Dies suggerieren im Kern auch die Äußerungen der AZT. Die eigentliche Gefahr ist hingegen die, dass die „Erkenntnisse“ solcher Befragungen von übereifrigen Politikern und Beamten zur Stimmungsmache genutzt wird. Mit den gleichen Argumenten – Spiele machen aggressiv – wurde in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts der Rock’n’roll verteufelt. Nun, Bush hört Country-Musik. Was will uns das also sagen?

Man kann das auch anders sehen
Interessant ist an dieser Stelle auch, dass Studien, die sich lang und intensiv mit der Materie befassen, durchaus auch zu anderen Ergebnissen kommen können als die der AZT. Im Auftrag des US-Branchenverbandes ESA ist nun ermittelt worden, dass erwachsene Gamer Sport treiben, sich ehrenamtlich engagieren und politisch wie kulturell am gesellschaftlichen Leben überdurchschnittlich teilhaben. Natürlich muss auch hier die Frage gestellt werden, inwieweit ein tatsächlicher Zusammenhang zwischen Spielen und den anderen Freizeitaktivitäten besteht. Zumal es sich bei der ESA um die Lobbyorganisation einer Branche handelt, die dabei ist, mit dem Filmbusiness gleichzuziehen. Dieses vollkommen abweichende Ergebnis zeigt aber, dass genug Interpretationsspielraum besteht bei der Antwort auf die Frage, welche Auswirkungen der Spielekonsum auf das Sozialverhalten haben kann. Missbrauch nicht ausgeschlossen.
 
Nachschlag
Auf den Ergebnissen der AZT-Studie aufbauend will die Universität München nun weiterforschen. Vielleicht hätte man dies gleich tun sollen, und nicht um der Effekt-Heischerei willen halbseidene Weisheiten in die Welt hinaus posaunen. Die Verunsicherung von Industrie und Elternhäusern nimmt stetig zu. Deshalb muss dem heiß gewetzten Verbots-Hackebeil eine kühle Analyse vorangestellt werden.
 
Quellen: Spiegel Online, AZT
 Autor:
André Stephan
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