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Fahrenheit

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Man hat sofort diesen Drang, den einzelnen Personen zu helfen. Egal, ob es die am Boden zerstörte kleine dicke Bedienung aus dem Restaurant ist, oder der Mörder himself, man würde am liebsten gleich allen helfend die Hand reichen. Hier ist aber auch eine der großen Schwächen im Spiel. Da man nicht nur die Rolle des Mörders Lucas Kane spielt, sondern auch auf der Gegenseite, die beiden Polizisten Carla Valenti und Tyler Miles verkörpern muss, kommt man in den ein oder anderen Gewissenskonflikt. Am Ende hat man aber jeden seiner kleinen „Schützlinge“ auf seine ganz eigene Art lieb, mit all ihren verrückten Eigenarten.

Labiles Wrack
Jeder der Charakter hat einen eigenen „Stimmungsbarometer“, wenn ihr auf diesen nicht achtet, nimmt das Spiel ganz schnell ein böses Ende. Erlebt euer Charakter zu viele negative Erlebnisse in kurzer Zeit, wird er schnell depressiv und verstört. Im ungünstigen Fall landet ihr dann in der Gummizelle (Wahlweise mit oder ohne einer Kugel im Kopf) und das Spiel endet da für euch. Aber es gibt auch etliche Möglichkeiten, eure Stimmung wieder ein wenig zu heben. Der gute Freund Alkohol steht euch auch in den schwersten Stunden zur Seite und synchron-rhythmische Matratzenübungen mit der Nachbarin lassen den Charakter den Sinn des Leben besser erkennen. Dies ist übrigens auch ein Grund, warum das Spiel fast eine ganze Woche später erst in den USA erschien. Seit dem GTA-Vorfall wollen die Entwickler absolut sicher sein, dass sich keiner unbefugt zugriff auf die „Sexszenen“ im Spiel beschaffen kann. Wirklich glücklich im Spiel könnt ihr jedoch nicht werden, denn das absolute Maximum der Stimmung ist „neutral“. Aber die Story bietet auch nicht viel Grund zum lachen. Trotzdem ist das Spiel sehr gefühlsbetont. Man findet viel Liebe, viele verletzte Gefühle und eine große Portion Verzweiflung bei den Charakteren. Dabei waren die Entwickler jedoch sehr darauf bedacht, die Charaktere mit „Alltags-Situationen“ zu belasten und viele werden sich in der einen oder anderen Situation wieder finden. Aber mal ehrlich: Das Leben ist nun mal kein Zuckerschlecken.

Innovatives Gameplay braucht eine Innovative Steuerung
Die Steuerung in Fahrenheit geht einen ganz neuen Weg. Ihr müsst mit euren Bewegungen die Bewegungen des Charakters auf dem Bildschirm nachmachen. Wollt ihr zum Beispiel die Schublade rechts von eurem Charakter öffnen, so müsst ihr eine Bewegung nach rechts machen. Wollt ihr dagegen eine Tür öffnen, wird Aufwärtsbewegung von euch verlangt. Es wurde diese Art der Steuerung gewählt, weil die Steuerung intuitiver machen wollte. Leider hat dies nicht ganz so geklappt. Es ist sehr ungewöhnlich, ein Spiel so zu steuern, und man vertut sich schon das ein oder andere Mal. Problematisch sind vor allem Steuermanöver unter Zeitdruck. Habt ihr etwa nur wenig Zeit, Beweise verschwinden zu lassen, bevor die Polizei eintrifft, wird das ganz schön haarig. Hier macht einem auch oft die bizarre Kameraführung einen Strich durch die Rechnung, denn bei einem schnellen Schwenk der Kamera versagt in der einen oder anderen Situation die Steuerung auf ganz obskure Weise. Im Großen und Ganzen kommt man aber auch mit dieser Art der Steuerung zurecht, auch wenn es sicher nicht die optimale Lösung ist. Die gleiche Steuerung wird für Dialoge verwendet. So werden euch am oberen Bildschirmrand Stichworte angezeigt mit der jeweiligen Richtung in die ihr den Analogstick bewegen müsst. Auf einen weiteren Steuerungstyp trefft ihr in den Actionszenen. Hier werden euch auf der Screen die beiden Analogsticks angezeigt, mit ihren jeweiligen vier Richtungen. Nun blinken abwechselnd oder gleichzeitig verschiedene Richtungen auf und ihr müsst so schnell wie möglich die Analogsticks in diese Richtung bewegen. Auch diese Steuerung klappt in der Praxis besser, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Leider ziehen sich diese Actionszenen extrem lang hin und wirken dadurch zäh und langweilig. Die Steuerung geht aber rasch ins Blut über und man hat gelegentlich das Gefühl, als hätten die Entwickler schon mit Ausblick auf Nintendos Revolution entwickelt.
 Autor:
Mathias Schult
Testbericht
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Leserwertung:
9.3